Was ist Coin Control?
Jede Bitcoin-Wallet verwaltet eine Sammlung von UTXOs – einzelne „Münzen" mit unterschiedlichen Beträgen und Herkunft. Wenn du eine Zahlung tätigst, muss die Wallet entscheiden, welche dieser UTXOs als Input für die Transaktion verwendet werden.
Standardmässig übernimmt ein Algorithmus diese Auswahl. Coin Control bedeutet, dass du diesen Automatismus überschreibst und selbst bestimmst, welche UTXOs ausgegeben werden. Du entscheidest also nicht nur, wie viel du sendest, sondern auch mit welchen Münzen.
Warum Coin Control wichtig für Privacy ist
Jede Bitcoin-Transaktion ist auf der Blockchain öffentlich sichtbar. Wenn mehrere UTXOs als Inputs einer Transaktion kombiniert werden, geht die Blockchain-Analyse davon aus, dass alle diese UTXOs demselben Besitzer gehören. Das nennt sich Common Input Ownership Heuristic.
Ohne Coin Control kann deine Wallet UTXOs unterschiedlicher Herkunft zusammenmischen – zum Beispiel einen UTXO von einer KYC-Börse mit einem UTXO aus einem P2P-Kauf. Dadurch wird der P2P-UTXO indirekt mit deiner Identität verknüpft.
Beispiel: Du hast 0,05 BTC von einer Börse mit Identitätsprüfung und 0,03 BTC über Peer-to-Peer erworben. Wenn deine Wallet beide UTXOs in einer Transaktion kombiniert, kann ein Beobachter schliessen, dass auch der P2P-UTXO dir gehört.
Labels vergeben
Bevor du Coin Control effektiv nutzen kannst, brauchst du ein System zur Kennzeichnung deiner UTXOs. Labels beantworten die Frage: Woher stammt dieser UTXO?
Gute Labels enthalten Informationen wie:
- Herkunftsquelle: „Relai DCA", „Bisq P2P", „Arbeitgeber Gehalt"
- KYC-Status: „KYC" oder „Non-KYC"
- Datum des Erhalts
- Gegebenenfalls der Handelspartner bei P2P-Käufen
Labels sind nur lokal in deiner Wallet gespeichert und nicht auf der Blockchain sichtbar. Sie dienen ausschliesslich deiner eigenen Übersicht. Ohne Labels verlierst du mit der Zeit den Überblick über die Herkunft deiner UTXOs – und damit die Grundlage für informierte Coin-Control-Entscheidungen.
Coin Control in Sparrow Wallet
Sparrow Wallet bietet die umfassendste Coin-Control-Funktion unter den Desktop-Wallets. So gehst du vor:
- Öffne den Tab UTXOs in der linken Seitenleiste. Dort siehst du alle einzelnen UTXOs deiner Wallet.
- Klicke auf einen UTXO, um Details zu sehen: Betrag, Adresse, Transaktions-ID und Label.
- Um ein Label zu vergeben oder zu ändern, doppelklicke auf das Label-Feld neben dem UTXO.
- Wenn du eine Transaktion erstellen willst, wähle im UTXOs-Tab die gewünschten UTXOs aus (Checkbox) und klicke auf Send Selected.
- Sparrow erstellt die Transaktion ausschliesslich mit den ausgewählten UTXOs.
Sparrow zeigt auch visuell an, welche UTXOs bereits ausgegeben wurden und welche noch verfügbar sind. Die Software unterstützt ausserdem den BIP329-Standard für den Export und Import von Labels.
Coin Control in BitBoxApp
Die BitBoxApp unterstützt Coin Control für Nutzer der BitBox02. Die Funktion ist etwas schlanker gehalten als in Sparrow, deckt aber die wesentlichen Anforderungen ab.
- Wähle in der BitBoxApp dein Bitcoin-Konto und gehe auf Empfangen oder Transaktionen.
- Unter den Transaktionsdetails kannst du Labels vergeben.
- Beim Senden aktivierst du die Coin-Control-Funktion, um manuell UTXOs für die Transaktion auszuwählen.
- Wähle die gewünschten UTXOs aus und fahre mit der Transaktion fort.
Strategien
KYC und Non-KYC trennen
Die wichtigste Regel: Mische niemals UTXOs aus KYC-Quellen mit Non-KYC-UTXOs in einer Transaktion. KYC-UTXOs sind mit deiner Identität verknüpft. Werden sie zusammen mit anonymen UTXOs ausgegeben, verliert der anonyme UTXO seinen Privacy-Vorteil.
Am besten verwendest du separate Wallets oder zumindest separate Konten für KYC- und Non-KYC-Bitcoin.
Beträge nicht unnötig mischen
Versuche, Transaktionen mit möglichst wenigen Inputs durchzuführen. Jeder zusätzliche Input verrät eine Verknüpfung. Wenn du 0,1 BTC senden willst und einen einzelnen UTXO über 0,11 BTC hast, verwende nur diesen einen.
Change-Outputs beachten
Wenn ein UTXO grösser ist als der Sendebetrag plus Gebühren, entsteht ein Change-Output (Wechselgeld). Dieser Change-Output wird mit den Inputs assoziiert. Achte darauf, dass der Betrag des Change-Outputs keine Rückschlüsse zulässt – etwa durch runde Beträge, die den gesendeten Wert verraten.
Grundregel: Weniger Inputs bedeuten weniger Verknüpfungen. Plane deine Transaktionen so, dass du idealerweise nur einen UTXO als Input verwendest.