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Warum ist Bitcoin auf 21 Millionen begrenzt?

Die feste Obergrenze von 21 Millionen Bitcoin ist das Fundament von Bitcoins Wertversprechen. Warum genau diese Zahl, wie die Ausgabe funktioniert und was das für dich bedeutet.

«The total circulation will be 21,000,000 coins. It gets halved every 4 years.»

Satoshi Nakamoto, Cryptography Mailing List, 2009

Die Obergrenze

21'000'000: Diese Zahl ist im Bitcoin-Protokoll unveränderbar festgeschrieben.

Als Satoshi Nakamoto Bitcoin entwarf, legte er eine absolute Obergrenze fest: Es wird niemals mehr als 21 Millionen Bitcoin geben. Diese Regel ist nicht bloss eine Richtlinie oder ein Versprechen, sie ist direkt im Quellcode verankert und wird von jedem einzelnen Node im Netzwerk durchgesetzt.

Warum genau 21 Millionen? Satoshi hat die genaue Begründung nie öffentlich erklärt. Die Zahl ergibt sich mathematisch aus dem Ausgabeplan: Wenn man mit 50 Bitcoin pro Block startet, alle 210'000 Blöcke halbiert und die geometrische Reihe summiert, kommt man auf exakt 20'999'999.9769 BTC, gerundet 21 Millionen. Es ist eine Lösung, die eine vorhersagbare und begrenzte Geldmenge ergibt.

Wie die Ausgabe funktioniert

Neue Bitcoin werden durch Mining erzeugt. Jedes Mal, wenn ein Miner einen neuen Block findet, erhält er eine Belohnung: den sogenannten Block Reward. Dieser Reward ist die einzige Art, wie neue Bitcoin in Umlauf kommen.

Das Besondere: Der Block Reward wird alle 210'000 Blöcke (ungefähr alle vier Jahre) halbiert. Dieses Ereignis heisst Halving. Es startete bei 50 BTC pro Block (2009) und liegt aktuell bei 3.125 BTC (seit 2024). Durch diese kontinuierliche Halbierung nähert sich die Gesamtmenge asymptotisch den 21 Millionen an. Der letzte Bruchteil eines Bitcoin wird voraussichtlich um das Jahr 2140 geschürft. Details zum Halving-Mechanismus und den vollständigen Zeitplan findest du im Artikel Bitcoin Halving erklärt.

Bitcoin Block Reward, Ausgabe über die Zeit
2009
50 BTC
~10.5 Mio. BTC
2012
25 BTC
~15.7 Mio. BTC
2016
12.5 BTC
~18.4 Mio. BTC
2020
6.25 BTC
~19.7 Mio. BTC
2024 ★
3.125 BTC
~19.8 Mio. BTC
2028
1.5625 BTC
~20.4 Mio. BTC
21'000'000 BTC Maximum · letzter Bruchteil ~2140

Heute sind bereits über 19.8 Millionen Bitcoin im Umlauf, das sind rund 94% der gesamten Supply. Die restlichen 6% werden über die nächsten 115+ Jahre verteilt. Du kannst den Countdown zum nächsten Halving live auf dem Halving Countdown verfolgen.

Stock-to-Flow

Das Stock-to-Flow-Verhältnis (S2F) ist ein Konzept aus dem Rohstoffmarkt. Es setzt den bestehenden Bestand (Stock) ins Verhältnis zur jährlichen Neuproduktion (Flow). Je höher das Verhältnis, desto «härter» ist ein Gut und desto schwieriger ist es, das bestehende Angebot durch Neuproduktion zu verwässern.

  • Gold: S2F von ca. 60: es bräuchte 60 Jahre Produktion, um den bestehenden Bestand zu verdoppeln
  • Silber: S2F von ca. 22
  • Bitcoin (aktuell): S2F von ca. 120, nach dem Halving 2024 hat Bitcoin Gold weit übertroffen (erstmals überholt wurde Gold bereits beim Halving 2020)
Stock-to-Flow Vergleich
Silber
~22
Gold
~60
Bitcoin ★
~120
Höherer S2F = schwieriger den Bestand durch Neuproduktion zu verwässern

Mit jedem Halving verdoppelt sich Bitcoins Stock-to-Flow-Verhältnis, weil die Neuproduktion halbiert wird, während der Bestand weiter wächst. Bitcoin wird also mit der Zeit immer «härter». Nach dem Stock-to-Flow-Modell übertraf Bitcoin Gold erstmals beim Halving 2020 und hat heute mit einem S2F von ca. 120 einen doppelt so hohen Wert wie Gold.

Dieser Mechanismus ist vollständig vorhersagbar. Jeder kann berechnen, wie viele Bitcoin zu jedem beliebigen Zeitpunkt in der Zukunft existieren werden. Diese Transparenz bei der Geldpolitik ist ungewöhnlich im Vergleich zu anderen Anlageklassen.

Was passiert wenn alle Bitcoin geschürft sind?

Eine häufige Frage: Wenn der Block Reward irgendwann auf null fällt, warum sollten Miner dann noch das Netzwerk sichern? Die Antwort: Transaction Fees (Transaktionsgebühren).

Schon heute erhalten Miner neben dem Block Reward auch alle Gebühren der Transaktionen, die sie in einen Block aufnehmen. Je mehr Menschen Bitcoin nutzen und je voller die Blöcke werden, desto höher fallen diese Gebühren aus.

Der Übergang von Block Rewards zu Transaction Fees geschieht nicht abrupt, sondern schrittweise über mehr als ein Jahrhundert. Mit jedem Halving sinkt der Reward, während die Gebühren voraussichtlich steigen, da die Nachfrage nach Blockspace wächst. Es gibt bereits heute Blöcke, in denen die Gebühren den Block Reward übersteigen.

Das Bitcoin-Netzwerk ist so konzipiert, dass es auch ohne Block Reward sicher bleibt, solange es genügend wirtschaftlichen Anreiz für Miner gibt, Rechenleistung beizutragen. Die Transaktionsgebühren übernehmen diese Rolle.

Kann die Grenze geändert werden?

Theoretisch ja, durch einen sogenannten Hard Fork. Eine Gruppe von Entwicklern könnte den Code ändern und die Obergrenze von 21 Millionen erhöhen. Aber praktisch ist das so gut wie unmöglich. Und hier ist der Grund:

Eine Änderung der Obergrenze würde den Wert aller bestehenden Bitcoin verwässern. Jeder Teilnehmer im Netzwerk, ob Miner, Node-Betreiber, Hodler oder Unternehmen, hat ein wirtschaftliches Interesse daran, die Knappheit aufrechtzuerhalten. Warum sollte jemand freiwillig einer Änderung zustimmen, die seinen eigenen Besitz entwertet?

Selbst wenn eine Gruppe einen Fork mit veränderter Obergrenze lancieren würde: Die überwältigende Mehrheit der Nodes, Miner und Nutzer würde beim Original bleiben. Der Fork wäre ein neues Netzwerk, nicht Bitcoin. Genau das ist bereits mit Bitcoin Cash und anderen Forks passiert: Sie haben versucht, Bitcoins Regeln zu ändern, und haben deutlich an Bedeutung verloren.

Die wirtschaftlichen Anreize des Bitcoin-Netzwerks machen eine Änderung der 21-Millionen-Grenze schwer zu ändern.

Verlorene Bitcoin

Nicht alle 21 Millionen Bitcoin werden je verfügbar sein. Schätzungen zufolge sind bereits 3 bis 4 Millionen BTC unwiederbringlich verloren (Schätzung: Chainalysis, 2020). Dafür gibt es verschiedene Gründe:

  • Satoshis Coins: Die frühen Blöcke, die vermutlich von Satoshi Nakamoto selbst geschürft wurden, enthalten rund 1,1 Millionen BTC. Diese Coins wurden seit 2009 nie bewegt und gelten als de facto verloren.
  • Vergessene Wallets: In den frühen Jahren war Bitcoin praktisch wertlos. Viele Nutzer haben ihre Wallets gelöscht, Festplatten weggeworfen oder Passwörter vergessen.
  • Falsche Adressen: Bitcoin, die an nicht existierende oder fehlerhafte Adressen gesendet wurden, sind für immer verloren.
  • Verstorbene Besitzer: Ohne Backup der Seed Phrase gehen die Bitcoin verstorbener Besitzer unwiederbringlich verloren.

Das bedeutet: Die effektive Supply von Bitcoin liegt deutlich unter 21 Millionen, und wird mit der Zeit eher kleiner als grösser. Im Gegensatz zu physischem Gold können verlorene Bitcoin nicht recycelt oder wiederentdeckt werden. Sie sind für immer aus dem Umlauf verschwunden.

Häufige Fragen

Warum genau 21 Millionen Bitcoin und nicht mehr oder weniger?

Satoshi Nakamoto hat 21 Millionen als Obergrenze festgelegt, ohne den genauen Grund je öffentlich erklärt zu haben. Die Zahl ergibt sich aus der Formel: Summe aller Block-Belohnungen über alle Halvings (50 + 25 + 12.5 + … ≈ 21 Millionen BTC).

Kann die 21-Millionen-Grenze jemals geändert werden?

Theoretisch ja, aber praktisch gilt es als nahezu unmöglich. Eine Änderung würde den Konsens aller Netzwerkteilnehmer erfordern. Da eine Erhöhung der Geldmenge gegen die Interessen aller bestehenden Bitcoin-Inhaber verstösst, gibt es keinen Anreiz dafür.

Sind wirklich noch 21 Millionen Bitcoin verfügbar?

Nein. Schätzungen zufolge sind bereits 3–4 Millionen Bitcoin dauerhaft verloren (vergessene Passwörter, verlorene Festplatten, frühe Wallets). Das effektive Angebot ist also geringer als 21 Millionen.

Quellen

BTC ...