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Bitcoin Adressformate erklärt

Bitcoin-Adressen beginnen mit unterschiedlichen Zeichen: 1, 3, bc1q oder bc1p. Jedes Präfix steht für ein anderes Adressformat mit eigenen Eigenschaften. Die Wahl des Formats beeinflusst direkt die Transaktionsgebühren, die Kompatibilität und die verfügbaren Funktionen. Dieser Artikel erklärt alle vier Formate.

«Bech32 is designed to be easy to read, easy to type, and to minimize the chance of error.»

— Pieter Wuille, Bitcoin Core Entwickler und Mitautor von BIP 173

Überblick

Seit der Entstehung von Bitcoin hat sich das Adressformat mehrfach weiterentwickelt. Jede Generation brachte Verbesserungen bei Effizienz, Sicherheit oder Funktionalität. Alle Formate sind weiterhin gültig und auf der Blockchain aktiv – es gibt keine Pflicht, auf ein neueres Format zu wechseln. Allerdings unterscheiden sich die Formate erheblich bei den Transaktionsgebühren: Neuere Formate sind deutlich günstiger.

Legacy P2PKH (1...)

Pay-to-Public-Key-Hash (P2PKH) ist das ursprüngliche Adressformat von Bitcoin, verfügbar seit dem Genesis Block 2009. Diese Adressen beginnen immer mit der Ziffer 1 und verwenden Base58Check-Kodierung.

Base58Check ist eine Variante von Base58, die bestimmte verwechslungsanfällige Zeichen (0, O, I, l) ausschliesst und eine Prüfsumme anhängt. Das reduziert Tippfehler, aber das Format hat Schwächen: Es ist case-sensitive (Gross-/Kleinschreibung relevant), nicht optimal für QR-Codes und die Prüfsumme erkennt nicht alle Fehlertypen zuverlässig.

P2PKH-Transaktionen sind die grössten in Bezug auf die Datenmenge. Die Signatur wird vollständig in den Transaktionsdaten gespeichert, was zu höheren Gebühren führt.

P2SH (3...)

Pay-to-Script-Hash (P2SH), definiert in BIP 16, wurde 2012 eingeführt. Adressen beginnen mit der Ziffer 3. Das Besondere: Statt direkt an einen Public Key Hash zu zahlen, wird an den Hash eines Scripts gezahlt. Das eigentliche Script wird erst beim Ausgeben enthüllt.

P2SH ermöglichte erstmals komplexere Ausgabebedingungen wie Multisig (z.B. 2-von-3-Signaturen). Der Sender muss das Script nicht kennen – er zahlt einfach an die 3...-Adresse. Erst der Empfänger liefert beim Ausgeben das vollständige Script und die nötigen Signaturen.

Mit der Einführung von SegWit wurde P2SH auch als Wrapper für SegWit-Transaktionen genutzt (P2SH-P2WPKH). Diese «wrapped SegWit»-Adressen beginnen ebenfalls mit 3 und boten eine Übergangslösung, die mit allen Wallets kompatibel war. Heute wird dieser Wrapper kaum noch benötigt.

Native SegWit Bech32 P2WPKH (bc1q...)

Mit dem SegWit-Upgrade (BIP 141) im August 2017 wurde ein komplett neues Adressformat eingeführt: Bech32, definiert in BIP 173. Diese Adressen beginnen mit bc1q und sind sofort erkennbar.

Bech32 brachte fundamentale Verbesserungen:

  • Niedrigere Gebühren: SegWit-Transaktionen lagern die Witness-Daten (Signaturen) in einen separaten Bereich aus, der mit einem Rabatt gewichtet wird. Das Ergebnis: circa 30–40% niedrigere Gebühren im Vergleich zu Legacy-Adressen.
  • Bessere Fehlererkennung: Bech32 verwendet BCH-Codes (Bose-Chaudhuri-Hocquenghem), die bis zu 4 Zeichenfehler erkennen und Verwechslungen zuverlässiger auffangen als Base58Check.
  • Nur Kleinbuchstaben: Bech32-Adressen bestehen ausschliesslich aus Kleinbuchstaben und Ziffern. Das vereinfacht QR-Codes (kleinerer alphanumerischer Modus) und eliminiert Case-Sensitivity-Probleme.

Gebührenvergleich: Eine typische Transaktion mit einem Input und zwei Outputs kostet bei P2PKH etwa 226 vBytes, bei P2SH-P2WPKH etwa 167 vBytes und bei nativem SegWit (bc1q) nur etwa 141 vBytes. Das ist ein Unterschied von fast 40%.

Taproot Bech32m P2TR (bc1p...)

Das bisher neueste Adressformat kam mit dem Taproot-Upgrade (BIP 341) im November 2021. Taproot-Adressen beginnen mit bc1p und verwenden Bech32m (BIP 350) – eine leicht korrigierte Version von Bech32, die einen Fehler bei der Erkennung bestimmter Zeichenänderungen behebt.

Taproot kombiniert Schnorr-Signaturen mit MAST (Merkelized Abstract Syntax Trees). Das bringt mehrere Vorteile:

  • Privacy: Einfache Zahlungen und komplexe Multisig-Transaktionen sehen auf der Blockchain identisch aus. Ein Beobachter kann nicht unterscheiden, ob eine Transaktion eine simple Zahlung oder ein komplexes Script war.
  • Effizienz: Schnorr-Signaturen ermöglichen Key-Aggregation: Mehrere Schlüssel können zu einem einzigen kombiniert werden, was die Transaktionsgrösse reduziert.
  • Flexibilität: Der Script-Pfad über MAST erlaubt beliebig komplexe Ausgabebedingungen, ohne dass ungenutzte Pfade enthüllt werden.

Welches Format verwenden?

Für die allermeisten Nutzer gibt es eine klare Empfehlung: bc1q (Native SegWit) oder bc1p (Taproot). Beide bieten die niedrigsten Gebühren und die beste Fehlererkennung. Native SegWit ist derzeit das am weitesten verbreitete Format und wird von praktisch allen Wallets, Börsen und Diensten unterstützt.

Taproot (bc1p) ist die technisch überlegene Option und gewinnt zunehmend an Verbreitung. Es bietet zusätzliche Privacy-Vorteile und ist optimal für zukünftige Entwicklungen vorbereitet. Einige ältere Dienste unterstützen das Senden an bc1p-Adressen jedoch noch nicht.

Legacy-Adressen (1...) sollten für neue Wallets nicht mehr verwendet werden. Sie verursachen unnötig hohe Gebühren und bieten keine technischen Vorteile gegenüber neueren Formaten.

Kompatibilität zwischen Formaten

Grundsätzlich kann jedes Adressformat an jedes andere senden. Eine Legacy-Adresse kann an eine Taproot-Adresse überweisen und umgekehrt. Die Formate betreffen die Ausgabebedingungen (wie die empfangenen Bitcoin ausgegeben werden), nicht das Senden.

In der Praxis gibt es dennoch Einschränkungen: Manche älteren Wallets oder Börsen validieren neuere Adressformate nicht korrekt und lehnen Sendungen an bc1q- oder bc1p-Adressen ab. Dieses Problem wird mit der Zeit seltener, da die Software-Unterstützung stetig wächst.

Wenn eine Börse oder ein Dienst das gewünschte Format nicht unterstützt, besteht die Möglichkeit, zunächst an eine kompatible Adresse zu senden und dann an die gewünschte Adresse weiterzuleiten – allerdings verdoppelt das die Transaktionsgebühren.

Quellen

Nächste Schritte

BTC ...