6 Min. Lesezeit

Wie funktioniert eine Bitcoin-Transaktion?

Jede Bitcoin-Zahlung durchläuft mehrere Schritte – von der Erstellung über die kryptographische Signierung bis zur endgültigen Bestätigung in einem Block. Wer den Lebenszyklus einer Transaktion versteht, kann Gebühren optimieren, Privacy verbessern und fundierte Entscheidungen treffen.

«We define an electronic coin as a chain of digital signatures.»

Satoshi Nakamoto, Bitcoin Whitepaper, 2008

Überblick

Eine Bitcoin-Transaktion ist im Kern eine signierte Datenstruktur, die den Transfer von Bitcoin-Wert beschreibt. Sie enthält keine Kontonummern oder Namen – nur Referenzen auf frühere Transaktionen (Inputs) und neue Empfängeradressen (Outputs). Das gesamte System funktioniert ohne zentrale Instanz, einzig durch Kryptographie und Konsens.

Anders als bei einer Banküberweisung gibt es keinen Vermittler, der die Transaktion genehmigt. Stattdessen beweist der Absender durch eine digitale Signatur, dass er berechtigt ist, die Bitcoin auszugeben. Das Netzwerk prüft diese Signatur unabhängig und fügt die Transaktion in einen Block ein.

Inputs und Outputs

Jede Transaktion besteht aus mindestens einem Input und mindestens einem Output. Ein Input referenziert einen bestehenden, noch nicht ausgegebenen Output einer früheren Transaktion. Ein Output definiert einen Betrag und die Bedingung, unter der dieser Betrag ausgegeben werden darf (typischerweise: „Wer den passenden Private Key besitzt").

Ein einfaches Beispiel: Alice möchte 0,05 BTC an Bob senden. Ihre Wallet wählt einen bestehenden Output von 0,08 BTC als Input. Die Transaktion erzeugt zwei neue Outputs: 0,05 BTC an Bobs Adresse und 0,0295 BTC als Wechselgeld zurück an Alice. Die Differenz von 0,0005 BTC wird zur Gebühr.

Wichtig: Ein Input wird immer vollständig verbraucht. Es gibt kein „Teilabheben". Was nicht explizit einem Output zugewiesen wird, geht als Gebühr an den Miner.

Digitale Signaturen

Um einen Input auszugeben, muss der Absender eine digitale Signatur liefern. Diese wird mit dem Private Key erstellt, der zur Adresse des Inputs gehört. Die Signatur beweist zweierlei: Der Absender kennt den Private Key, und die Transaktion wurde nach der Signierung nicht verändert.

Bitcoin verwendet den ECDSA-Algorithmus (Elliptic Curve Digital Signature Algorithm) auf der Kurve secp256k1. Seit dem Taproot-Upgrade (2021) werden auch Schnorr-Signaturen unterstützt, die effizienter und flexibler sind. Die Signatur wird in das Script-Feld des Inputs eingebettet und von jedem Node im Netzwerk verifiziert.

Transaktionsgebühren

Die Gebühr einer Transaktion ergibt sich aus der Differenz zwischen der Summe aller Inputs und der Summe aller Outputs. Sie wird nicht explizit angegeben, sondern implizit berechnet. Miner priorisieren Transaktionen nach der Gebührenrate in Satoshis pro virtuellem Byte (sat/vB).

Die Datengrösse hängt von der Anzahl der Inputs und Outputs ab, nicht vom transferierten Betrag. Eine Transaktion mit vielen kleinen Inputs ist grösser und damit teurer als eine mit einem einzigen grossen Input. Bei hoher Netzwerklast steigen die Gebühren, weil der Platz in jedem Block begrenzt ist.

Transaktionslebenszyklus

Eine Bitcoin-Transaktion durchläuft fünf Phasen:

  1. Erstellung: Die Wallet konstruiert die Transaktion – wählt Inputs, definiert Outputs und berechnet die Gebühr.
  2. Signierung: Der Private Key signiert die Transaktion. Bei Hardware-Wallets geschieht dies auf dem Gerät selbst, sodass der Schlüssel nie den sicheren Chip verlässt.
  3. Broadcast: Die signierte Transaktion wird an einen verbundenen Node gesendet und von dort ans gesamte Netzwerk weitergeleitet.
  4. Mempool: Jeder Node speichert unbestätigte Transaktionen im Mempool – einem Wartepuffer. Miner wählen aus dem Mempool die Transaktionen mit den höchsten Gebühren für den nächsten Block.
  5. Bestätigung: Ein Miner nimmt die Transaktion in einen gültigen Block auf. Mit jedem weiteren Block darüber steigt die Sicherheit. Nach sechs Bestätigungen gilt eine Transaktion als praktisch irreversibel.

UTXO-Modell

Bitcoin verwendet kein Kontomodell, sondern das UTXO-Modell (Unspent Transaction Output). Jeder Output einer bestätigten Transaktion wird zum „Geldschein" im System. Der Kontostand einer Wallet ist die Summe aller UTXOs, die mit ihren Adressen verknüpft sind. Dieses Modell ermöglicht parallele Validierung und verbessert die Skalierbarkeit.

Eine ausführliche Erklärung mit Praxisbeispielen findest du im Artikel UTXO erklärt.

Transaktionsformate

Über die Jahre hat sich die Struktur von Bitcoin-Transaktionen weiterentwickelt:

  • Legacy (P2PKH): Das ursprüngliche Format seit 2009. Adressen beginnen mit „1". Signaturdaten befinden sich direkt im Input und zählen voll zur Transaktionsgrösse.
  • SegWit (P2WPKH): Seit 2017 aktiv. Adressen beginnen mit „bc1q". Die Signaturdaten werden in einen separaten Witness-Bereich ausgelagert, der nur mit 25 % gewichtet wird. Das spart Gebühren und erhöht die effektive Blockkapazität.
  • Taproot (P2TR): Seit November 2021 verfügbar. Adressen beginnen mit „bc1p". Nutzt Schnorr-Signaturen, die effizienter sind und komplexe Ausgabebedingungen (Multisig, Timelocks) nach aussen hin wie einfache Transaktionen aussehen lassen – ein grosser Gewinn für Privacy.

Empfehlung: Verwende wenn möglich SegWit- oder Taproot-Adressen. Sie sind günstiger und bieten bessere Privacy als Legacy-Adressen.

Quellen

Nächste Schritte

BTC ...