Überblick
Der Mempool ist ein zentrales Konzept im Bitcoin-Netzwerk. Er beeinflusst direkt, wie viel man für eine Transaktion bezahlt und wie lange sie auf Bestätigung wartet. In Zeiten hoher Netzwerkauslastung kann der Mempool auf über 100'000 unbestätigte Transaktionen anwachsen – mit entsprechend steigenden Gebühren. Diesen Mechanismus zu verstehen ist essenziell für jeden, der Bitcoin aktiv nutzt.
Was ist der Mempool?
Das Wort Mempool ist eine Kurzform für Memory Pool – ein Speicherbereich im Arbeitsspeicher jedes Bitcoin-Nodes. Wenn eine Wallet eine Transaktion signiert und ins Netzwerk sendet, wird diese zunächst von den verbundenen Nodes empfangen und validiert. Ist die Transaktion gültig (korrekte Signatur, ausreichend Guthaben, kein Double-Spend), wird sie in den Mempool aufgenommen und an weitere Nodes weitergeleitet.
Wichtig: Es gibt nicht «den einen» Mempool. Jeder Node im Netzwerk hat seinen eigenen Mempool. Da sich Transaktionen über das Peer-to-Peer-Netzwerk verbreiten, sind die Mempools verschiedener Nodes zu einem gegebenen Zeitpunkt nie exakt identisch. Die Unterschiede sind in der Regel klein, aber sie existieren.
Eine Transaktion bleibt im Mempool, bis ein Miner sie in einen Block aufnimmt. Wird sie nicht innerhalb einer bestimmten Zeit aufgenommen, kann sie aus dem Mempool entfernt werden – typischerweise nach 14 Tagen bei der Standardkonfiguration von Bitcoin Core.
Fee-Markt
Da jeder Block auf maximal etwa 4 MB (genauer: 4 Million Weight Units) begrenzt ist, können nicht alle wartenden Transaktionen gleichzeitig aufgenommen werden. Es entsteht ein Markt um Blockspace: Transaktionen konkurrieren mit ihren Gebühren um die Aufnahme in den nächsten Block.
Miner wählen rationalerweise die Transaktionen mit den höchsten Gebühren pro Gewichtseinheit aus. Die Gebühr wird in sat/vByte (Satoshis pro virtuellem Byte) gemessen. Eine Transaktion mit 10 sat/vByte wird bevorzugt vor einer mit 5 sat/vByte aufgenommen – unabhängig vom gesendeten Betrag.
In ruhigen Phasen kann man Transaktionen bereits ab 1 sat/vByte senden. Bei hoher Auslastung – etwa nach einem Halving, bei spekulativen Hypes oder bei Ordinals-Aktivität – können die Gebühren auf über 100 sat/vByte steigen.
Mempoolpolitik
Jeder Node setzt eigene Regeln für seinen Mempool. Die Standardkonfiguration von Bitcoin Core definiert:
- Mindestgebühr (minrelaytxfee): Standardmässig 1 sat/vByte. Transaktionen unter dieser Schwelle werden nicht weitergeleitet.
- Maximale Grösse: Standardmässig 300 MB. Ist der Mempool voll, werden die Transaktionen mit den niedrigsten Gebühren entfernt (Eviction).
- Dynamische Mindestgebühr: Bei vollem Mempool steigt die effektive Mindestgebühr. Nur Transaktionen über der aktuellen Eviction-Schwelle werden akzeptiert.
Praxistipp: Wenn der Mempool fast leer ist (unter 1 MB), reichen minimale Gebühren. Ist er hingegen stark gefüllt, sollte man entweder höhere Gebühren zahlen oder auf einen ruhigeren Zeitpunkt warten – typischerweise Wochenenden oder Nachtstunden (UTC).
Replace-by-Fee (RBF)
Replace-by-Fee, definiert in BIP 125, erlaubt es, eine unbestätigte Transaktion durch eine neue Version mit höherer Gebühr zu ersetzen. Das ist nützlich, wenn man die Gebühr zu niedrig angesetzt hat und die Transaktion im Mempool feststeckt.
Damit RBF funktioniert, muss die ursprüngliche Transaktion das RBF-Flag setzen (Sequence-Nummer kleiner als 0xfffffffe). Seit Bitcoin Core 28.0 (Oktober 2024) ist Full RBF standardmässig aktiviert – das heisst, Nodes akzeptieren Ersetzungen auch ohne explizites Flag, solange die neue Transaktion eine höhere Gebühr bezahlt.
Die Ersatztransaktion muss dieselben Inputs verwenden und eine ausreichend höhere Gebühr bieten, um auch die Relay-Kosten der Ersetzung zu decken. Die meisten modernen Wallets unterstützen RBF mit einem einfachen «Gebühr erhöhen»-Button.
Child-Pays-for-Parent (CPFP)
CPFP ist eine Alternative zu RBF und funktioniert von der Empfängerseite aus. Wenn eine eingehende Transaktion mit zu niedriger Gebühr feststeckt, kann der Empfänger eine Folgetransaktion erstellen, die den unbestätigten Output ausgibt – mit einer so hohen Gebühr, dass ein Miner einen Anreiz hat, beide Transaktionen zusammen in einen Block aufzunehmen.
Der Miner betrachtet dabei die durchschnittliche Gebührenrate des gesamten Pakets (Eltern- und Kindtransaktion zusammen). Ist der Paketdurchschnitt attraktiv genug, nimmt er beide auf. CPFP ist besonders nützlich, wenn man keinen Zugriff auf die sendende Wallet hat und die Transaktion nicht per RBF ersetzen kann.
Mempool beobachten
Das Open-Source-Projekt mempool.space bietet die umfassendste Visualisierung des Bitcoin-Mempools. Die Website zeigt in Echtzeit:
- Die aktuelle Grösse des Mempools in MB und Anzahl Transaktionen
- Geschätzte Gebühren für verschiedene Bestätigungszeiten (nächster Block, 3 Blöcke, 6 Blöcke)
- Historische Gebührenentwicklung als farbcodierte Grafik
- Details zu einzelnen Transaktionen, Blöcken und Adressen
Für fortgeschrittene Nutzer gibt es die mempool.space API und die Möglichkeit, die Software auf dem eigenen Node zu betreiben. Wer seinen eigenen Node nutzt, erhält die verlässlichsten Daten über den aktuellen Zustand des Netzwerks.
Quellen
- Bitcoin Wiki – Mempool
- BIP 125 – Opt-in Full Replace-by-Fee Signaling
- mempool.space – API Documentation