Was ist Phoenix?
Phoenix ist eine Self-Custodial Lightning-Wallet von ACINQ, einem französischen Unternehmen, das seit 2016 am Lightning Network arbeitet. ACINQ betreibt einen der grössten Lightning-Nodes und hat massgeblich zur Entwicklung des Protokolls beigetragen. Phoenix ist das Consumer-Produkt des Unternehmens.
Das Besondere an Phoenix: Die Wallet abstrahiert die gesamte Komplexität des Lightning Networks. Es gibt keine manuellen Channel-Eröffnungen, keine Liquiditätsverwaltung und keine technischen Entscheidungen. Der Nutzer sieht lediglich ein Guthaben und kann senden oder empfangen, ähnlich wie bei einer klassischen Payment-App, aber self-custodial.
Self-Custodial Lightning: Im Gegensatz zu vielen Lightning-Wallets (wie Wallet of Satoshi) kontrolliert der Nutzer bei Phoenix seinen eigenen Private Key. Die Seed Phrase wird lokal generiert und gesichert. ACINQ hat keinen Zugriff auf die Funds des Nutzers.
Funktionen & Features
Automatisches Channel Management
Phoenix verwaltet Lightning Channels vollständig automatisch. Wenn ein Nutzer eine Zahlung empfängt und die bestehende Kapazität nicht ausreicht, wird automatisch ein neuer Channel geöffnet oder die Kapazität per Splicing erweitert. Splicing ist eine neuere Technik, die es ermöglicht, die Grösse eines bestehenden Channels zu ändern, ohne ihn schliessen und neu eröffnen zu müssen.
Swap-In (On-Chain zu Lightning)
Seit 2024 unterstützt Phoenix Swap-In-Funktionen: Nutzer können On-Chain-Bitcoin an eine von Phoenix generierte Adresse senden. Die Wallet konvertiert diese automatisch in Lightning-Guthaben. Das vereinfacht den Übergang von On-Chain zu Lightning erheblich, man benötigt keine separate On-Chain-Wallet mehr für diesen Vorgang.
LNURL und Lightning Address
Phoenix unterstützt LNURL-Protokolle und ermöglicht damit einfaches Senden und Empfangen über QR-Codes und Lightning Addresses. Das macht Zahlungen im Alltag unkompliziert.
Gebührenstruktur
Phoenix erhebt Gebühren für das Channel Management. Beim Öffnen oder Erweitern eines Channels via Splicing (seit Phoenix v2.0, 2023) fällt eine Gebühr von 1'000 Sats plus ca. 0.3 % des Betrags an. Die frühere pauschale Gebühr von 1 % (Minimum 3'000 Sats) gilt nicht mehr. Für reguläre Lightning-Zahlungen berechnet ACINQ eine Routing-Gebühr von 0.4 % plus 4 Sats. Diese Gebühren sind transparent in der App dargestellt.
Privatsphäre & Sicherheit
Phoenix unterstützt Tor für die Kommunikation mit dem Lightning-Netzwerk. Da ACINQ als einziger Channel-Partner (LSP, Lightning Service Provider) fungiert, kennt ACINQ alle eingehenden und ausgehenden Zahlungen des Nutzers. Das ist eine grundlegende Einschränkung des Privatsphäre-Modells.
Der Quellcode ist Open Source und auf GitHub veröffentlicht. Phoenix basiert auf der eigenen Lightning-Implementierung von ACINQ (eclair/phoenix-android/phoenix-ios), nicht auf LND oder CLN.
Die Wallet ist self-custodial: Die Seed Phrase wird lokal generiert und gespeichert. Allerdings ist der Nutzer auf ACINQ als LSP angewiesen. Wenn ACINQ den Dienst einstellt, müssen die Channels geschlossen werden, die On-Chain-Funds bleiben aber beim Nutzer.
Stärken
- Einfachste Lightning-Erfahrung: Kein Channel Management, keine Liquiditätsentscheidungen. Phoenix abstrahiert die gesamte Komplexität des Lightning Networks.
- Self-Custodial: Der Nutzer kontrolliert seinen Private Key, im Gegensatz zu Custodial-Wallets wie Wallet of Satoshi.
- Open Source: Der vollständige Quellcode ist öffentlich und überprüfbar.
- Swap-In: On-Chain-Bitcoin können direkt in Lightning-Guthaben konvertiert werden.
- Splicing-Technologie: Statt viele kleine Channels zu eröffnen, wird ein einzelner Channel dynamisch angepasst. Das spart Gebühren und ist effizienter.
- Tor-Support: Integrierte Tor-Unterstützung für verbesserte Netzwerk-Privatsphäre.
Schwächen
- Abhängigkeit von ACINQ: ACINQ ist der einzige LSP. Alle Channels laufen über ACINQ, was einen Single Point of Failure darstellt. Fällt ACINQ aus, müssen Channels geschlossen werden.
- Privatsphäre gegenüber ACINQ: Da ACINQ der einzige Channel-Partner ist, sieht das Unternehmen alle Zahlungen des Nutzers. Das ist ein relevanter Privatsphäre-Kompromiss.
- Keine On-Chain-Wallet: Phoenix ist eine reine Lightning-Wallet. Für On-Chain-Verwahrung wird eine separate Wallet benötigt.
- Channel-Gebühren: Bei neuer Liquidität (Splicing) fallen 1'000 Sats Fixgebühr plus ~0.3 % an. Für sehr kleine Beträge kann das ins Gewicht fallen.
- Nur Mobile: Phoenix ist ausschliesslich als Mobile App verfügbar. Eine Desktop-Version gibt es nicht.
Für wen geeignet?
Phoenix eignet sich besonders für Nutzer, die Lightning-Zahlungen so einfach wie möglich nutzen möchten, ohne auf Self-Custody zu verzichten. Die Wallet ist die derzeit zugänglichste Lösung für self-custodial Lightning und ideal für den täglichen Zahlungsverkehr mit Bitcoin.
Wer regelmässig kleine Beträge senden und empfangen möchte, etwa für Einkäufe, Trinkgelder oder Streaming-Payments, findet in Phoenix eine zuverlässige und einfache Lösung. Die Swap-In-Funktion macht den Übergang von On-Chain zu Lightning reibungslos.
Weniger geeignet ist Phoenix für Nutzer, die maximale Privatsphäre benötigen (da ACINQ alle Zahlungen sieht), für die langfristige Verwahrung grösserer Beträge (dafür ist eine On-Chain-Wallet besser) oder für Nutzer, die mehrere LSPs nutzen möchten.